„Unsere Welpen sind per DNA-Test auf alle Erbkrankheiten untersucht.“

— sinngemäß, wie es auf Züchterseiten zu lesen ist

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„Alle“ gibt es nicht. Und die Zahl, die stattdessen genannt wird, sagt nichts über den Hund — nur etwas über den gekauften Test.

Was ein Panel-Gentest leistet, was er nicht sehen kann, und warum die Zahl der Tests das falsche Maß ist.

Die Rechnung

Welche denn?

Es gibt keine Liste aller Erbkrankheiten des Hundes. Also kann auch niemand auf alle testen.

Was tatsächlich gekauft wird, ist ein Panel: ein Testpaket mit einer festen Anzahl von Genvarianten. Zweihundert, dreihundert — die Zahl steht auf der Packung. Sie beschreibt den Lieferumfang des Produkts, nicht den Gesundheitszustand eines Hundes.

Und dieses Paket wird nicht für eine Rasse hergestellt, sondern für alle. Darunter sind Mutationen, die bei nordischen Schlittenhunden beschrieben wurden, bei Hütehunden, bei großen Jagdhunden. Der Züchter einer Zwergrasse kauft dasselbe Panel wie der Halter eines Mischlings.

Für eine einzelne Rasse ist davon nur ein kleiner Teil überhaupt belegt. Der Rest prüft auf Erkrankungen, die in dieser Rasse nie beschrieben wurden. Ein unauffälliges Ergebnis bei Tests, die diese Rasse nie betroffen haben, ist keine Information — es ist eine lange Liste.

Hinzu kommt: Viele Erkrankungen gelten nur deshalb als rassespezifisch, weil die zugrundeliegende Studie sich auf ein oder zwei Rassen beschränkt hat. Die Zuordnung ist oft weniger eindeutig, als eine Ergebnisliste vermuten lässt.

Ein DNA-Testkit mit zwei verpackten Wattestäbchen und einem Probenröhrchen auf dunkelblauem Untergrund
Ein Wangenabstrich. Was er liefert, hängt nicht davon ab, wie viele Zeilen im Ergebnis stehen, sondern davon, ob die richtigen darunter sind.

Der blinde Fleck

Was kein DNA-Test sehen kann

Die häufigsten Leiden der beliebten Rassen stehen in keinem Genbefund.

Sie entstehen aus der Anatomie, aus Proportionen, die über Generationen verschoben wurden. Man findet sie nicht im Labor, sondern nur, wenn ein Tierarzt den Hund untersucht, röntgt, abhört oder laufen lässt.

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Gentests gibt es für diese Zuchtprobleme. Sie werden ausschließlich am Tier festgestellt: durch Röntgen, Abhören, Messen, Ertasten oder Beobachten.

  • HDHüftgelenksdysplasie. Wird geröntgt und von einem Gutachter benotet.
  • EDEllbogendysplasie. Ebenfalls nur über Röntgenaufnahmen zu beurteilen.
  • PatellaOb die Kniescheibe herausspringt, zeigt die orthopädische Untersuchung.
  • AtmungBei kurzschnäuzigen Rassen der Belastungstest mit Messung der Blutsauerstoffsättigung.
  • HerzEin Herzgeräusch hört man ab. Erst bei Befund folgt der Ultraschall, etwa auf eine Aortenstenose.
  • GehörEinseitige Taubheit bemerkt kein Halter. Sichtbar wird sie nur im BAER-Test.
  • AugenDie Kammerwinkel prüft die Gonioskopie, die einzige Früherkennung beim Glaukom.
  • GebissZahnzahl und Kieferstellung werden gezählt und beurteilt.
  • SchädelEine offene Fontanelle ertastet man. Ein Gentest darauf existiert nicht.
  • LuftröhreEin Trachealkollaps wird klinisch festgestellt, mit Provokationstest.
  • RückenStabilität, Bemuskelung und Gangbild sieht nur, wer den Hund laufen lässt.
  • GeburtOb eine Hündin selbst gebären kann, hängt an Größe und Bau, nicht an einem Marker.
Tierärztin untersucht das Kniegelenk eines kleinen Hundes auf dem Behandlungstisch
Die Untersuchung der Kniescheibe dauert Minuten und kostet wenig. Sie erfasst genau das, was auf keiner Seite eines Panel-Befunds steht.

Der andere Maßstab

Nicht möglichst viele Tests. Die richtigen.

Es gibt Erkrankungen, bei denen ein DNA-Test genau das richtige Werkzeug ist.

Das sind Erbkrankheiten, die auf einem einzelnen bekannten Gendefekt beruhen. Für sie ist der Test eindeutig, günstig und aussagekräftig: Ein Tier ist frei, Träger oder betroffen — dazwischen gibt es nichts. Wer ein Trägertier nur mit einem freien Partner verpaart, bekommt garantiert keine erkrankten Welpen und muss trotzdem keine gesunden Tiere aus der Zucht nehmen.

Zehn Beispiele, für die genau das gilt:

  1. Progressive Retinaatrophie (PRA)Die Netzhaut baut sich ab. Der Hund erblindet, unaufhaltsam.
  2. Primäre Linsenluxation (PLL)Die Augenlinse löst sich aus ihrer Aufhängung. Sehr schmerzhaft, kann das Auge zerstören.
  3. Hereditärer Katarakt (HC)Erblich bedingte Linsentrübung, oft schon im jungen Alter.
  4. Primäres GlaukomDer Augeninnendruck steigt. Gilt als eine der schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt.
  5. MDR1-DefektAlltägliche Medikamente wirken lebensbedrohlich. Wer den Status kennt, verhindert das mit einem Satz beim Tierarzt.
  6. Degenerative Myelopathie (DM)Fortschreitende Lähmung der Hinterhand im höheren Alter.
  7. Von-Willebrand-Krankheit (vWD)Gestörte Blutgerinnung, gefährlich bei jeder Verletzung und jeder Operation.
  8. Osteogenesis imperfectaGlasknochenkrankheit. Schon geringe Belastung führt zu Brüchen.
  9. Neuronale Ceroid-Lipofuszinose (NCL)Speicherkrankheit des Nervensystems. Verläuft tödlich.
  10. Belastungsbedingter Kollaps (EIC)Der Hund bricht bei Anstrengung zusammen.

Das sind zehn — keine hunderte. Und welche davon für eine bestimmte Rasse überhaupt in Frage kommen, ist noch einmal eine kürzere Liste. Ein Züchter, der weiß, warum er genau diese Tests macht, sagt Ihnen mehr als jede Gesamtzahl.

ZEUS-Siegel „Zuchttauglich — Approved for Breeding“

Zuchttauglich

Das ZEUS-Siegel steht nicht für eine Anzahl von Tests, sondern für einen abgeschlossenen Ablauf: Das Elterntier wurde auf die für seine Rasse maßgeblichen Punkte untersucht: klinisch dort, wo nur die Untersuchung weiterhilft, und per DNA dort, wo ein Test eindeutig ist. Jeder Befund liegt schriftlich vor.

Es sagt also nicht „viel geprüft“, sondern „das Richtige geprüft — und nachweisbar bestanden“.

Für den Kauf

Vier Fragen, die weiterhelfen

Welche Erkrankungen wurden getestet — und warum genau diese?

Eine gute Antwort nennt wenige, rassetypische Namen und begründet sie. Eine schlechte nennt eine Zahl.

Was wurde tierärztlich untersucht?

Knie, Herz, Augen, Gebiss, je nach Rasse. Diese Befunde entstehen nicht im Labor und sind deshalb aussagekräftiger, als sie klingen.

Gibt es schriftliche Befunde?

Ein Testergebnis ist ein Dokument. Wer damit wirbt, kann es zeigen.

Ist die Zucht nach einem bewerteten Präventionskonzept organisiert?

Seit 2025 verlangt das österreichische Tierschutzgesetz genau das: ein bewertetes Qualzucht-Präventionskonzept je Rasse.

Selbst nachprüfbar: Jedes ZEUS-Zertifikat trägt einen Kontrollcode, den Sie auf der ZEUS-Website eingeben. Auf der Urkunde steht er als Nummer zum Eintippen, neben dem QR-Code. Ein Code, den Sie selbst eingeben, kann Sie nicht auf eine gefälschte Seite umleiten. Für Sie kostenlos.

Zertifikat prüfen
Aufmerksamer Hund mit klaren Augen vor dunkelblauem Hintergrund
Am Ende steht kein Befundbogen, sondern ein Hund. Ob er gesund alt wird, entscheidet sich lange vor dem Labor — bei der Wahl der Elterntiere.

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„Auf alle Erbkrankheiten getestet“ klingt nach Sicherheit und ist doch nur ein Satz. Wer die Rechnung dahinter kennt, stellt beim nächsten Wurf die bessere Frage.